13. Februar 2011

Frankenliga 2011, 48/66/114 neue persönliche Bestleistung in Kitzingen

Zweiter Wettkampftag der Frankenliga 2011 - diesmal in Kitzingen. Bei Schneegestöber und Temperaturen um den 0-Punkt treten wir die Fahrt nach Kitzingen an und werden ab Bamberg mit strahlendem Sonnenschein belohnt. Ein gutes Vorzeichen.


















Jeder Wettkampf ist diesmal wichtig. Röthenbach hat 2011 keine Mannschaft in der Liga gemeldet und der Kampf um den Titel wird diesmal in nur drei Begegnungen entschieden.

Wir treten in Bestbesetzung an und haben uns viel vorgenommen. Mit 4 Fehlversuchen und einer Zweikampfleistung von 100 kg (40/60) bin ich im letzten Jahr bei dieser Begegnung von der Bohle gegangen. Diesmal soll es besser laufen. Auch Alexey, 10 kg schwerer als im letzten Jahr, brennt darauf die Leistung abzurufen, die nun nach vielen Monate intensiven Trainings in Ihm stecken.

Unser Wunsch ist es in diesem Jahr beide Deutschen Zweikampf-Rekorde von Gudrun Schmidberger in der 53 kg Klasse und in der Klasse bis 58 kg zu übertreffen. Obwohl wir hier in Kitzingen noch keinen Rekord angemeldet haben, ist mein Ziel für den heutigen Wettkampftag damit klar. Mein Trainer Jürgen Wunderlich ("..den Wettkampf machen wir aus dem Training heraus") hat den heutigen Fahrplan schon vor 2 Tagen in der letzten Einheit entsprechend formuliert, die ersten beiden Versuche genau festgelegt und die letzten Versuche mit einem lakonischen "...und im Dritten Versuch schaun wir mal..." offen gelassen. Wir beide wissen, das heißt.

Mit 53,5 kg steige ich von der Waage - Gudruns Rekord in der 58 kg Klasse steht seit 2007 bei 110 kg.

Schon im Reißen spüre ich, daß ich viel sicherer geworden bin. 43 kg und danach 45 kg laufen so gut, daß wir uns entscheiden mit 48 kg eine neue Bestleistung anzumelden. Ich erwische die Last gut. Zu meinem Erstaunen fühlt sich die Hantel auch nicht schwerer an, als im vorherigen 2, Versuch. Gültig! Wir fallen uns in die Arme, Das ist das Schöne am Gewichtheben - alle freuen sich mit mir. Bereits nach dem Reißen zeigt die Ergebnisliste 4 kg Leistungsverbesserung zur letzten WM im Oktober und 8 kg mehr als ich im letzten Jahr zu diesem Wettkampf erreicht habe. Es verspricht eine gute Zweikampfleistung zu werden!

Auch Alexej langt mächtig zu und verfehlt nach gültigen 130 kg im dritten Versuch im Reißen mit 135 kg nur knapp eine Last die höher gelegen hätte, als seine Stoßleistung im letzten Jahr. Auch Martin ist wieder da, läßt das Team nicht im Stich und und trägt mit 100 kg eine solide Leistung bei, so daß wir nach der ersten Disziplin bereits mit 16 Punkten vor Schweinfurt liegen.

Es gibt im Gewichtheben nicht Besseres, als mit einer Bestleistung im Reißen in die zweite Disziplin zu starten. Ich halte mich genau an Jürgens Fahrplan und steigere nach guten 61kg für den zweiten Versuch auf 64 kg, die ich solide bewältige. Bereits nach dem zweiten Versuch liege ich mit 112 kg über dem bestehenden Deutschen Zweikampfrekord.

66 kg - erst einmal habe ich diese Last bisher bewältigt - auf der WM 2010 in Polen. Schaffe ich das Gewicht, stelle ich damit meinen eigenen Europarekord ein. Ich muss mich mächtig konzentrieren - Frankenliga ist nicht WM. Ich muss im Umsetzen des Gewichts kämpfen, doch als die Last auf meinen Schultern liegt und ich vor dem Ausstoßen noch einmal tief Luft hole, weiß ich, daß ich in den letzten Wochen bereits 70 kg im Ständerstoßen bewältigt habe und ich die Kraft habe um den Versuch auszustoßen.

Das Gewicht fliegt über meinen Kopf - 114 kg im Zweikampf bedeuten eine neue Bestleistung, 4 kg mehr als der bestehende Deutsche Rekord. In der nur 0,5 kg unter meinem heutigen Körpergewicht liegenden Gewichtklasse liegt Marga Jörgensens 11 Jahre alter Europarekord im Zweikampf aus dem Jahre 200 bei 115 kg.

Michael Zschoche startet Heute mit 106 kg (!) Lebendgewicht. Mit einem Körper, der aussieht, als könne er die Hantel nicht nur heben, sondern auch nach Belieben verbiegen, liefert er mit 135 kg gute 32 Relativpunkte für die Mannschaft ab und läßt nur erahnen, was er wirklich zu leisten im Stande wäre. Martin kommt langsam in Fahrt, findet mit zunehmender Dauer immer besser in den Wettkampf hinein und läßt mit gültigen 123 kg nichts anbrennen.

Alexejs Wettkampfantritt ist ebenso furios wie dramatisch. Er will es Heute wissen. Gleich um 10 kg steigert er bereits im zweiten Versuch auf die neue Bestleistung von 160 kg. Ungeheuer krafttvoll bewältigt die Last, doch als er in den Ausfallschritt springt, wird Ihm die noch vor wenigen Tagen überflutete Wettkampfbohle des direkt am Main liegenden Trainingszentrum des KSV Kitzingen zum Verhängnis. Die seitlichen Gummiauflagen haben sich leicht abgesenkt und die Höhendifferenz reicht aus, um Alexej straucheln zu lassen. Er kann gerade noch verhindern mit 160 kg über dem Kopf umzuknicken und verschwindet aufgebracht in den Aufwärmbereich.

Eine Bestleistung kann man nicht einfach wiederholen. Das Kitzinger Kampfgericht besteht aus Routiniers - alles selbst Gewichtheber - verhält sich fair und wertet den Versuch nicht. Alexej hat also noch 2 Versuche. Und er motiviert sich, tritt erneut an und stemmt die 160 noch sicherer als im ersten Versuch, Sein Ziel sind Heute 300 kg im Zweikampf. Er hat 135 kg im Reißen nicht fixieren können, 165 kg reichen daher nicht aus, so daß er - sein Ziel nicht aus den Augen verlierend - knapp "170" für den letzten, nun vierten Versuch anmeldet, als er am Kampfrichtertisch vorbei geht. Auch diese Last setzt er um, steht auf und stößt das Gewicht bis zur Armstreckung über den Kopf. Der ganze Körper zittert unter der Anspannung die Last zu stabilisieren, die er schließlich nach einer endlos langen Sekunde fallen lassen muss.

Als der Wettkampf vorüber sit sind wir stolz - unsere 215 Relativpunkte bedeuten einen neuen Ligarekord. Mit 72 Relativpunkten Vorsprung können wir nun in den letzten Ligawettkampf in 2 Wochen starten.

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