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| Team Viola Lauber |
Wir sind dabei - in der Klasse bis 53 kg. Nach rd. 600 km Fahrtstrecke haben wir am Freitag im wunderschönen Breslau übernachtet. Jürgen Wunderlich mein Trainer begleitet uns. Am gestrigen Samstag hat uns der zweite Teil der Reise nach Jadwisin weit hinter Warschau tief nach Polen hinein geführt. Wunderschön am See gelegen und noch etwa 70 km bis zur eigentlichen Wettkampfstätte übernachten wir dort. Als wir am nächsten Tag nach Ciechanow zum Wettkampf aufbrechen hilft ein letzter Blick auf die Wage um zu wissen: Mein Körpergewicht wird diesmal kein Stolperstein sein. Mit nur 51,8 kg stehe ich nach 10 monatiger Vorbereitung auf der Wage.
Gudrun Schmidberger, die Titelverteidigerin, gegen die ich im Vorjahr in Sydney noch das Nachsehen hatte und Ute Hehl, die diesjährige Vizeeuropameisterin bis 58 kg sind ebenfalls nach Polen angereist.
Die Vorbereitung war nicht einfach. Seit Sydney vor 12 Monaten habe ich keine Trainingspause eingelegt, habe weite Strecken der Vorbereitung alleine bestritten und aus der Distanz Jürgens Pläne abgearbeitet. Trotzdem waren die Ergebnisse gut. Bayerische-, Deutsche-, Europameisterschaft - jedesmal mit neuer Bestleistung absolviert, immer hat es zum Sieg gereicht. Nun ist er da der große Tag und Jürgen Wunderlich mein Trainer hat mich bestens auf den Wettkampf eingestellt.
Die Erwartungen für den heutigen Tag sind sehr hoch. Ich bin gekommen um zu gewinnen, um Weltmeisterin zu werden, um den seit 10 Jahren bestehenden Europarekord der Dänen Marga Johanssen zu brechen und um "Master des Jahres" zu werden. Fast zu viel Druck an diesem Tag, den ich mir auferlegt habe. Ich spüre, wie ich einfach zu viel will, zu angestrengt hebe. Und das wirkt sich aus. Während Ute Hehl sich mit guten 3 Versuchen im Reissen und 43 kg nach einer Verletzung erfolgreich zurück meldet, will mir die geplante und eigentlich vorbereitete Bestleistung (47 kg) nicht wie geplant von der Hand gehen. Ich verkrampfe. Bereits im Wettkampf beschließen wir es daher Heute bei 46 kg bewenden zu lassen, doch auch dieser Versuch will nicht gelingen.
Lange Gesichter bei meinem Team - 1200 km haben wir gemeinsam zurückgelegt und viele Stunden gemeinsam geschwitzt um mich dort hinzubringen wo ich bin. Ich spüre das gerade jetzt. Das haben wir uns anders vorgestellt. Ich ringe um Selbstbeherrschung, muss mich einige Momente zurückziehen, negative Emotionen abschütteln und mich wieder sammeln. Trotz eines ungepanten Einstiegs darf ich nicht vergessen, dass der Wettkampf aus 2 Disziplinen besteht. Während Gudrun Schmidberger wie erwartet im Reißen 51 kg vorlegt und ich 7 kg zurückliege versuche ich mich nach meinem Fehlversuch neu auf den Wettkampf einzustellen.
Stoßen: Als Gudrun bereits mit 45 kg aus dem Wettkampf ausscheidet und Ute 53 kg bewältigt ist deutlich: Bereits mit meinem ersten Versuch im Stoßen werde ich Weltmeisterin sein. Alles verklärt sich plötzlich zum Besseren. 60 kg gelingen, der Titel gehört mir, die Fahrt hat sich gelohnt, die Erwartungen, meine Erwartungen, Jürgens Erwartungen, die Wünsche aller Zuhausegebliebenen Unterstützer sind erfüllt. Was für eine Dramaturgie!
Was jetzt kommt ist wie eine Entfesselung. Das tue ich nur für mich, das ist mein heutiges Ziel meine Aufgabe, mein Vorsatz, der Grund warum ich in den letzten Wochen so hart und unablässig trainiert habe. Ich will den Rekord, den 10 Jahre alten Europarekord im Stoßen. 63 kg im zweiten Versuch gelingen, obwohl ich mich dazu zwingen muss mich darauf zu konzentrieren und nicht auf das, was nun kommt.
Endlich 66 kg, endlich der Rekordversuch, endlich alles rauslassen, endlich zeigen was in mir steckt. Wie befreit gehe ich auf die Bühne. Marga Johanssen hat mir zugenickt. "Do it Viola - you get it - go for it" hat mir die großartige Rekordhalterin hinterher gerufen. Alles in den Zug legen, durchziehen, mitnehmen und aufstehen, Ausstossen. Ich sammle alle Kraft zusammen, weiß noch nicht, daß Sie hinterher zu mir sagen werden "Wow war das leicht, da gehen noch 2-3 Kilo mehr", weiß noch nicht, daß ich gleich drei weiße Lichter sehen werde, weiß nicht wie leicht sich das gleich anfühlen wird, weiß nicht, dass der Europarekord gleich mir gehören wird. Nur Freude dass ich hier sein darf, Freude, daß es jetzt soweit ist, nur Konzentration, nur alles geben - jetzt. Ich bin stark, setze gut um , stehe sofort auf und stoße, stoße sicher. Ich schreie den ganzen Druck noch auf der Bühne im Freudentaumel aus mir heraus, kann nicht damit warten bis ich hinter der Bühne bin. Wieder und immer wieder springe ich wie ein Gummiball über die Bühne.
Für meine Wegbegleiter vor der Bühne und für mich oben auf dem Stockerl wird die Nationalhymne gespielt. Es ist ergreifend!
Jürgens abschließender Kommentar holt mich dann wieder in die Wrklichkeit zurück: "Und das mit dem Reißen kriegen wir auch noch hin".

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